Repräsentatives Wohnhaus mit hohem Wärmeschutz

Wohnhaus am Chiemsee: Der mittlere Gebäudevorsprung betont die Ausrichtung nach Süden zum See und den Chiemgauer Alpen.
Monolithisches Energiesparhaus in Breitbrunn: Prägende Merkmale sind die um das Haus laufenden Terrassen- und Verandaflächen. Sie bilden mit dem Swimmingpool von außen sichtbare „Extras“.

Energiesparhaus-Standard mit monolithischen Außenwänden

Ein Blick auf den Chiemsee und die Chiemgauer Alpen: Die Lage des im Frühjahr 2008 fertig gestellten Wohnhauses in Breitbrunn ist ebenso reizvoll wie sein Erscheinungsbild. Bei der Gestaltung setzte Architekt Stefan Lippert den Wunsch des Bauherren nach einer repräsentativen Villa mit moder­nen Stilmitteln um. Dazu gehören die kompakte Form, große Fenster und eine weitgehend offene Bauweise des Objektes. Bei dem verwendeten Außenwandbaustoff legte der Bauherr – neben wirtschaftlichen und bauphysikalischen Aspekten – besonderen Wert auf dauerhafte Qualität. Hochwärme­dämmende Coriso-Mauerziegel der Leipfinger‑Bader‑Werke ermöglichen mit ihrer natürlich, mineralischer CORISO-Füllung den Bau schlanker, monolithischer Außenwände sowie einen hohen energiesparenden Wärmeschutz.

Die aussichtsreiche Hanglage am nördlichen Chiem­see-Ufer (Gemeinde Breitbrunn) war der wesentliche Grund, warum der Bau­herr das bebaute Grundstück erwarb. Der vorhan­dene Gebäudebestand orientierte sich in der Aus­richtung allerdings mehr nach Osten und nicht nach Süden zum See hin. Auch die reichlich verschachtelte Bauweise erforderte einen Abriss des Bestandes und eine Neubebauung.

Haus mit umlaufender Veranda

Die Gebäudeausrichtung wird – wie vom Bauherren ge­wünscht – durch einen freien Blick auf die Chiemgauer Alpen bestimmt. Der zweige­schossige, in den Hang hinein gebaute, voll unterkel­lerte Neubau ist deshalb im Gegensatz zur vorgela­gerten Garage nicht parallel zur nördlichen Grundstücksgrenze angeordnet, son­dern in einem kleinen Winkel nach Südosten. Durch die Hanglage ergibt sich ein zur Straßenseite öffnen­des Hanggeschoss, das durch die Tageslichtdurch­flutung auch als Wohnraum nutzbar ist. Aufgrund der flach geneigten Walmdachflächen (Dachneigung 16 Grad) wirkt der Baukörper kompakt und unaufdringlich. Besonders auffällig sind der auf der Südseite mittig angeordnete Erker als Gebäude­vorsprung sowie ein um das Haus entlanglaufendes Vor­dach. Es dient dem Witterungs­schutz der Terrasse beziehungsweise der umlau­fenden Veranda. Diese Haus­architektur ist häufig in den USA zu finden – dem Heimatland der Ehefrau des Bauherren.

Ein weiterer erfüllter Wunsch ist der errichtete Swimmingpool und ein an das Haus angegliederter überdachter Freisitz mit offenem Barbecue-Grill. Die Lage auf der Westseite des Grundstücks und eine Natursteinmauer schützen die Bewohner vor Einsicht und Straßen­lärm. Eine Geländetreppe aus dekorativen Granitblö­cken führt auf der Nordseite zum Haupt- und Besu­chereingang.

Platz zur individuellen Entfaltung

Der Grundriss ist für einen Zwei-Personen-Haushalt konzipiert. Aufgrund der interessanten Ausblickmög­lichkeiten sind die Haupträume des Hauses nach Sü­den und Osten orientiert. Ein offener Grundriss und raumhohe Ganzglastüren schaffen fließende Über­gänge zwischen Wohnen, Essen, Diele und Küche. Eine frei geschwungene, offene Treppenanlage führt vom Untergeschoss bis in das Obergeschoss.

Die Wohnfläche von rund 320 Quadratmetern ließ viel Platz für großzügig dimensionierte Räume und spe­zielle Ausstattungs­wünsche des Bauherren. Dazu ge­hören unter anderem ein Weinkeller und ein Well­ness-Bereich mit Sauna, Bad und Fitnessraum im Untergeschoss. Bei Bedarf kann der Bereich problemlos in eine Einlie­gerwohnung umgerüstet werden.

Werterhaltende Ziegelbauweise

Der Bauherr forderte ein dauerhaft hochwertiges Energie­sparhaus. Er entschied sich aus Gründen der Werterhaltung für eine monolithische Bauweise. „Der bewusste Verzicht auf ein Wärmedämm-Verbund­system erforderte neben Warmverglasung einen hochwärmedämmenden Wandbaustoff, der die Transmissions-Wärmeverluste der Gebäudehülle ent­sprechend begrenzte“, erklärt der zuständige Archi­tekt Stefan Lippert. Ange­sichts des angestrebten KfW-60-Energiesparhaus­standards wurde in der Rohbau-Ausschreibung ein zulässiger Maximalwert des Wärmedurchgangs von 0,394 W/(m²K) vorgege­ben. Der beauftragte Rohbau­unternehmer Josef Murner schlug als Wandbaustoff deshalb den „Unipor W08 Coriso“ der Ziegelwerke Leipfinger‑Bader vor. Mit seiner Dämmstoff‑Füllung aus natürlicher, mineralischer CORISO-Füllung gewährleistet der Mauerziegel eine sehr geringe Wärmeleit­fähigkeit von 0,08 W/(mK).

Ein schlankes Mauerwerk mit nur 36,5 Zentimetern Dicke reichte für den geforderten baulichen Wärmeschutz bereits aus. Der  als wohngesund zertifizierte Ziegel trägt aufgrund seiner hohen Wärme­speicherfähigkeit in den Wintermonaten zudem zu einer Verringerung der Heizlast und im Sommer zum Wärmeschutz bei.

Kurze Verlegezeit durch Verarbeitungs-System

Trotz seiner CORISO-Füllung unterscheidet sich der von den Zie­gelwerken Leipfinger-Bader (Niederbayern) hergestellte Ziegel bei der Verarbeitung nicht von her­kömmlichen Mauer­steinen. Denn Coriso-Ziegel lassen sich sowohl im trocke­nen als auch im nassen Zustand horizontal, vertikal und diagonal schneiden. Auf der Baustelle wurden sie in Mörtel einsparen­dem Dünnbettmörtel verlegt. Zusammen mit dem verarbeitungs­freundlichen „Mauertec‑System“ von Unipor ergaben sich im Ver­gleich zu herkömmlicher Mauerwerkserstellung wirt­schaftliche Vorteile: Die mithilfe des Mörtelschlit­tens „UnimaxX“ aufgetragene deckelnde Lagerfuge von drei Millimetern reduzierte den Mörtel­verbrauch gegen­über Mauerwerk mit Normalfugen beispielsweise um circa 85 Prozent. Es entstand ein zügig erstelltes, homogenes Mauerwerk, das einen optimalen Untergrund für die an­schließende Putzbe­schichtung bot. Als Endbeschichtung wurde auf dem Grundputz ein sehr feinkörniger Edelputz (Körnungs­durchmesser 0,5 Millimeter) eingesetzt. Er trug zu einer besonders glatten Oberflächenstruktur der Fassaden bei.

Effizient durch moderne Solar- und Heiztechnik

Die günstige Energiebilanz aufgrund des hohen bauli­chen Wärmeschutzes und die Erzielung passiver Son­nenenergie-Gewinne wird beim Breitbrunner Haus durch eine installierte Solar­anlage zusätzlich verbessert. Mithilfe eines Flach­kollektors (22,5 Quadratmeter) werden acht bis zehn Prozent des Heizenergiebedarfs durch die aktiv gewonnene Ener­gie abgedeckt. Bei der Warmwasseraufbereitung und Erwärmung des Wassers im Swimmingpool ist sogar ein Abdeckungsgrad von 85 Prozent erreichbar.

Zum Heizen wird in Verbindung mit einer Erdsonde und einer Wärmepumpe die erneuerbare Energie der Erdwärme genutzt. Neben dem erfüllten ökologischen Anspruch macht sie unabhängig von herkömmlichen Heizenergieträgern und schützt so vor steigenden Gas- beziehunsgweise Ölpreisen.

Die ermittelte Energiebilanz aus dem Nachweis nach der Energie-Einsparverordnung (EnEV) verdeutlicht die energetische Effizienz der Zie­gelbauweise und der eingesetzten Solar- und Heiz­technik. Der errechnete Jahres-Primärenergiebedarf liegt beim Objekt in Breitbrunn mit 42,4 kWh/(m²a) erheblich unter dem vorge­gebenen Ziel eines KfW-60-Energiesparhauses und erfüllt damit schon fast das Kriterium eines KfW-40-Ener­giesparhauses.

ca. 6.800 Anschläge

Autor: Dipl.-Ing. Hans-Gerd Heye

Bautafel

Entwurf und Ausführungsplanung: PKZ Planungs­gemeinschaft Zehetmayr und Lippert, Dipl.-Ing. Stefan Lippert,

83043 Bad Aibling, Telefon: 08061-39 69 0, www.pkz-arch.de

Rohbau: Bauunternehmen Josef Murner, Grafing 1, 83128 Halfing

Außenwandbaustoff: Unipor W08-Coriso-Ziegel (12 DF)

Ziegelhersteller: Ziegelwerke Leipfinger-Bader KG,

84048 Puttenhausen, Mitglied der UNIPOR‑Gruppe

Nutzfläche: rd. 460 Quadratmeter

Jahresheizwärmebedarf: 45,01 kWh/m²a

Bauzeit: Oktober 2007 bis April 2008

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