Zukunftsorientierte Bauweise mit gefüllten Mauerziegeln

Mit der neuen Kinderkrippe wird das Betreuungsangebot für Kleinkinder in Buch am Erlbach erweitert.
Kinderfreundliche Gestaltung und vorausschauende Planung: Beim Bau des Kinderhauses in Buch am Erlbach wurde auf eine zukunftsorientierte Bauweise Wert gelegt.

Energetisch hochwertiger Neubau der Kinderkrippe in Buch am Erlbach

Hoher energetischer Standard kombiniert mit Umwelt­verträglichkeit: Beim Bau eines Kinderhauses mit integrierter Krippe in Buch am Erlbach (Niederbayern) setzten Bauherr und Planer auf die vielfältigen Eigenschaften eines Wandbaustoffes aus der Region. Der Mauerziegel „Unipor W07 Coriso“ der Ziegel­werke Leipfinger-Bader erreicht mit seiner speziellen Coriso-Füllung einen U-Wert von 0,14 W/m²K – und unter­schreitet damit den für Passivhäuser einzuhaltenden Grenzwert von 0,15 W/m²K. „Die Ziegelbauweise trägt mit ihrer Fähigkeit, Sonnen­wärme und Raumfeuchte zwischen­zuspeichern, auf natürliche Weise zu einem energiesparenden und ausge­glichenen Raumklima bei“, erklärt Architekt Wilhelm Zett vom Architekturbüro Eck-Fehmi-Zett aus Landshut, das für den Entwurf und die Detailplanung der Kinderkrippe zuständig war.

Buch am Erlbach ist eine Gemeinde mit 3.500 Einwohnern 15 Kilometer südwestlich von Landshut. Das Grundstück des neuen Kinderhauses mit Krippe liegt im Bereich des bestehenden Schul- und Sportzentrums der Gemeinde und schließt an der östlichen Grundstücksgrenze an den vorhandenen Kindergarten an. Prägend ist die nach Westen ansteigende Hanglage.

Das zur Straße hin leicht zurückgesetzte Kinderhaus nimmt städte­baulich die östliche Gebäudekante der Schule auf und orientiert sich in ihrer Ausrichtung an der Topographie des Geländes. Die funktionale Gliederung des im Grundriss nahezu quadratischen Gebäudes ist an der unterschiedlichen Dachflächengestaltung ablesbar. So dient der mittig zwischen zwei Pultdächern eingespannte niedrige Flachdachbau als großzügig dimensionierte Eingangs- und Erschließungszone. Ein Innenhof sorgt für eine natürliche Belichtung des hellen, besucherfreundlichen Gebäudezentrums und lockert gleichzeitig den ansonsten kompakten Baukörper auf. Vom direkt am Innenhof liegenden Eltern-Wartebereich führt ein Flur jeweils zu den unter den Pultdächern angeordneten Gruppenräumen beziehungsweise in der entgegengesetzten Richtung zur Verwaltung. Alle Gruppenräume sind nach Südosten orientiert und haben einen direkten Bezug zur Freispielfläche.

Aufgrund der Hanglage des Grundstücks kann auch das Unter­geschoss durch die gewährleistete Tageslichtdurchflutung teilweise als Betreuungsraum verwendet werden. Der Nebeneingang zum Untergeschoss ist barrierefrei zu nutzen. Über ein Treppenhaus erfolgt der Zugang zum Erdgeschoss.

Einschalig ohne Wärmedämm-Verbundsystem

Ein niedriger Energiebedarf des Kinderhauses wurde vom Bauherrn explizit gefordert. Gewünscht war ein naturnaher Wandbaustoff, der die besonders hohen wärmedämmenden Anforderungen an die Fassade zu einem wirtschaftlichen Preis erfüllt. Der gewählte Ziegel „Unipor W07 Coriso“ (Zulassung Z-17.1-935) des in der Gemeinde im Ortsteil Vatersdorf beheimateten Ziegelwerkes Leipfinger-Bader bot in ökonomischer und ökologischer Hinsicht eine maßgeschneiderte Lösung. Aufgrund seiner niedrigen Wärmeleitfähigkeit von 0,07 W/mK erzielt der Mauerziegel einen Wärmedurchgangswert von 0,14 W/m²K. Die ermittelten Werte führten zur Zertifizierung des W07 Coriso-Wandsystems als „Passivhaus geeignete Komponente“ (PHI Darmstadt). Dadurch konnte bei der Kindergrippe auf eine kostspielige Zusatzdämmung der Außenwände verzichtet werden.

Ausschlaggebend für die geringe Wärmeleitfähigkeit sind die gefüllten Ziegelkammern. Die Coriso-Füllung wird aus dem Rohstoff Basalt gewonnen und mit Hilfe von Feuer und Wasser ohne chemische Zusatzstoffe hergestellt. Basalt ist wie der Rohstoff Ton für den Ziegel praktisch unbegrenzt in der Natur vorhanden. Das Dämmstoff-Füllung kann zudem problemlos recycelt werden. Das Institut für Baubiologie in Rosenheim (IBR) hat den Ziegel mit Coriso-Technologie deshalb per Prüfsiegel als ökologisch empfehlenswertes Bauprodukt bewertet. Der Ziegel überzeugte Architekt und Rohbauunternehmer auch durch seine wirtschaftliche Verlegung. Er unterschied sich beim Aufmauern nicht von der Verarbeitungs­freundlichkeit herkömmlicher Unipor-Planziegel und musste dank verzahnter Stirnseiten nicht in den Stoßfugen vermörtelt werden. Der Ziegel mit Coriso-Technologie ließ sich trotz der integrierten Füllung bei erforderlichen Pass-Stücken problemlos zuschneiden.

Hoher Brandschutz und Wohlfühlklima

Hoher Brandschutz hat speziell bei von Kindern genutzten Gebäuden oberste Priorität. Hier bietet die Ziegelbauweise Vorteile gegenüber anderen Bauweisen. Die hohe Feuerwiderstandsfähigkeit wird bei dem Mauerziegel durch die Coriso-Füllung nicht beeinträchtigt. Ihr Schmelzpunkt liegt bei über 1.000 Grad Celsius, so dass sie – wie der Ziegel selbst – in die Brandschutzklasse A1 eingestuft wird.

Ein weiterer Pluspunkt von Ziegelmauerwerk ist sein Beitrag zu einem wohngesunden und behaglich empfundenen Raumklima. Bauherr und Architekt vertrauten deshalb auch bei den Innenwänden auf die bauphysikalischen Vorteile von Unipor-Ziegeln. Die verwendeten Blockziegel (17,5 bzw. 24 Zentimeter) weisen wie jeder Tonziegel ein während des Trocknungsprozesses automatisch entstehendes Ka­pillarsystem auf. Die haarfeinen Kapillaren nehmen bei zu hoher Raumfeuchte die überschüssige Feuchte auf und geben sie bei zu trockener Raumluft wieder ab. Das Entstehen von Staubmilben und Schimmelpilz kann durch die ausgeglichene Raumfeuchte weitgehend verhindert werden.

Betreuungsangebot komplettiert

Mit dem im Juli 2010 fertig gestellten Kinderhaus wird das Betreuungsangebot der Gemeinde auf Kinder bis zu drei Jahren ausgeweitet. Es entspricht damit den Vorgaben des bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes. Der Neubau ist für die Betreuung von vier Gruppen mit jeweils 12 Kindern ausgelegt. In der Krippe werden zudem Eltern-Kind-Gruppen des Vereins „Kinder und Wir e.V.“ untergebracht, Raum für einen „Schnupperkindergarten“ zur Vorbereitung für den Kindergartenbesuch geschaffen und ein Notraum für den Waldkindergarten eingerichtet.

„Das Gebäude stellt auch optisch ein weiteres bauliches Schmuck­stück der Gemeinde dar und dokumentiert zugleich die Leistungs­fähigkeit der heimischen Ziegelindustrie“, erklärt Bürgermeister Franz Göbl. Die Pultdächer mit ihrer Eindeckung aus Kupferblech vermitteln dem Betrachter im Zusammenwirken mit der Mineralputz-Fassadenbeschichtung ein attraktives, einladendes Erscheinungsbild. Interessante optische Akzente setzen die in Teilbereichen der Fassade – zum Beispiel im Eingangsbereich – angeordneten hinterlüfteten Verkleidungen aus Holzlattenrosten. Alles in allem bietet sich den Kindern damit ein idealer Ort zum Spielen und Wohlfühlen.

Autor: Dipl.-Ing. Hans-Gerd Heye

Bautafel

Objekt: Kinderkrippe, Buch am Erlbach, Niederbayern

Bauherr: Gemeinde Buch am Erlbach, Niederbayern 

Entwurf und Detailplanung: Architekturbüro Eck-Fehmi-Zett Architekten BDA, Dipl.-Ing. Architekt Wilhelm Zett, Altstadt 78, 84028 Landshut

Rohbauausführung: Josef Hasreiter GmbH, Industriestrasse 2, 94428 Eichendorf

Nutzfläche: 762 Quadratmeter

Gesamtkosten: 2,4 Mio. Euro

Wandbaustoff (Außenwand): Unipor W07 Coriso-Ziegel (ʎ = 0,07 W/mK)

Ziegelhersteller: Ziegelwerke Leipfinger-Bader KG, Ziegelleistraße 15, 84712 Vatersdorf, Mitglied der UNIPOR-Gruppe

Bauzeit: September 2009 bis Juli 2010

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